Wenn man die Bürger fragt…

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Posted on 24th November 2012 by Sylvia in Bruchköbel |Bürgerbeteiligung

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Letztes Jahr um diese Zeit wurde das Projekt “Neue Mitte” von Schwarz/Grün gegen die Stimmen der Oposition verabschiedet. Nach verlorener Mehrheit im Frühjahr und einer turbulenten Bürgerinformationsveranstaltung zum Projekt im Mai wurden die Planungen durch einen Beschluß der Stadtverordnetenversammlung ausgesetzt. Nach dem nun einstimmig gefassten Beschluss soll eine umfasssende Stadtentwicklung mit vielen Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung erfolgen. Eine interfraktionelle Runde bestehend aus Magistrat und den Fraktionsvorsitzenden befasste sich mit der Umsetzung und beschloss zunächst eine Bürgerbefragung zu Themen der Innenstadtentwicklung durchzuführen. Die Ergebnisse der Befragung wurden nun auf einer Bürgerversammlung vorgestellt.

Mein persönlicher Eindruck von diesem Abend ist sehr gemischt. Zum einen war es enttäuschend, dass nur so wenige Bürger auf die Bürgerversammlung gekommen waren. Ich schätze mal rund ein Drittel der Besucher von der Versammlung im Mai zur Neuen Mitte. Auch viele Stadtverordnete glänzten mit Abwesenheit. Positiv war sicher, dass die Stimmung von Beginn an sachlich war und im Verlauf des Abend auch nicht gekippt ist. Der Stadtverordnetenvorsteher machte seine Sache als Moderator gut, auch wenn der ganzen Veranstaltung etwas der Schwung gefehlt hat.  Die Technik war leider außerdem ein Problem, denn bei der Vorstellung der Egebnisse der Befragung durch die mit der Auswertung beauftragte Firma war von den Folien an der Leinwand kaum etwas zu erkennen: Unscharf, zu klein, falsche Bildschirmeinstellung. Das war schade. Der Vortragende hat sich trotzdem tapfer geschlagen durch seine – wie ich finde – sympathische Art. Zum Nachlesen wurde die Präsentation bereits online gestellt.

In der anschließenden Fragerunde war hauptsächlich Kritik an der Art der Fragen zu hören, die durchaus nachvollziehbar war. Trotzdem bleibt das Gefühl, dass manche wohl immer einen Grund für Kritik finden werden. Der Fragenbogen waren ein hart umkämpfter Kompromiss, da ist eben nicht alles perfekt. Man ist so damit beschäftigt einen Kompromiss zu finden, dass man Gefahr läuft Offensichtliches nicht zu entdecken. Auf jeden Fall ein Effekt, den ich mir für die künftigen Beratungen gut merken werde. Ein neutraler Moderator würde der ganzen Sache sicher gut tun, nur woher nehmen? Die Umfrageergebnisse werte ich für mich persönlich vor allem nach den Fragen aus, die für mich die klare Zielrichtung hatten und so eindeutige Ergebnisse liefern konnten. Das ist vorallem ganz klar die Frage 1 bzgl. der gewünschten Schwerpunkte in der Innenstadtentwicklung. Mehr Ärzte, Plätze an denen man sich gerne aufhält und die Aufwertung des historischen Stadtkerns – das sind die Hauptanliegen der befragten Bruchköbeler. Das ursprünglich geplante Projekt ist somit nicht gewollt. Aber es ist durchaus Veränderung im Innenstadtbereich gewünscht. Was auch heraus sticht ist, dass sich nur  7 Prozent ein “multifunktionales Rathaus” (könnten die Mitarbeiter des Rathauses gewesen sein??) wünschen. Für die Stadtteile ist die Nahversorgungslage der wichtigste Punkt, aber auch ein besseres Angebot für Familien.

Natürlich stellt sich auch die Frage nach der Repräsentativität. Nach den vorgestellten Zahlen erscheint es mir in Bezug auf Alter und Wohnort durchaus repräsentativ. Wobei eine größere Zahl dazu keine Angaben gemacht hat und andere wichtige Kriterien nicht abgefragt wurden. Die 10 Prozent Beteiligung sind bei solchen Umfragen ein guter Wert. Die Besucheranzahl auf der Versammlung widersprach wiederum den Befragungsergebnissen, war hier doch die Bürgerversammlung von mehr als 1000 Bürgern als wichtige Beteiligungsform angegeben worden. Wobei sich gerade bei dieser Frage meines Erachtens ganz besonders der Alterschnitt der beteiligten Bürger bemerkbar machte. In wenigen Jahren dürften in diesem Bereich die Ergebnisse ganz anders aussehen und sich mehr in Richtung Internet verlagern. So ein Medium wie die Stadtinfo erscheint mir nicht wirklich zukunftsfähig zu sein.

Als Fazit für mich fühle ich mich in meiner Einschätzung seit Start des Projektes “Neue Mitte” bestätigt. Sich um mehr Ärzte zu bemühen, das haben wir im vergangenen Jahr bereits gefordert und wurden dafür vorallem von den Grünen stark kritisiert. Den historischen Stadtkern halte ich seit langem für ein wichtiges Kapital Bruchköbels, das viel zu stiefmütterlich behandelt wird. Und schöne öffentliche Plätze in der Innenstadt sind doch für die Lebensqualität wichtiger, als noch ein Klamotten- oder Nippesgeschäft. Das Schreckgespenst von einem x-bliebigen Betonklotz in der Stadtmitte ist nun endgültig Geschichte, eine Neuausrichtung der Innenstadtentwicklung kann beginnen. Nun sind konkrete Ideen gefragt.

Ich bin gespannt, wie es die nächsten Monate weiter gehen wird. Geplant ist die Einrichtung einer Steuerungsgruppe (ähnlich der interfraktionellen Runde) und Foren mit den Bürgern, die sich aktiv beteiligen wollen. Spätestens in 10 Monaten sollen Vorschläge erarbeitet sein, die in einer Bürgerversammlung vorgestellt und den Stadtverordneten zur Entscheidung vorgelegt werden. Fakt ist, wir brauchen in dem Prozess eine straffe Führung, die war bisher nicht zu erkennen und scheint auch nicht in Sicht. Das muss sich ändern. Wir brauchen Bürger, die uns in unserer Arbeit aktiv unterstützen. 145 Bürgerinnen und Bürger haben sich im Fragebogen dazu bereit erklärt Das halte ich für eine gute Basis. Gemeinsam können wird die Stadtenwicklung auf einen positiven, greifbaren und finanzierbaren Weg bringen. Das wird nicht einfach, aber ich bin sicher: Es lohnt sich.

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2 Comments
  1. Martin Reisbeck says:

    Die Kritik an den Grünen halte ich nicht für notwendig. So viel Aufmerksamkeit haben die wirklich nicht verdient. Dass nun konkrete Ideen gefragt sind, halte ich auch für richtig. Ich bin dafür, den freien Platz mit einer Platzgastronomie auszustatten. Er könnte von bis zu 3 Betieben bewirtschaftet werden. Das Ambiente des Platzes halte ich für authentisch und daher auch relativ leicht aufwertbar. Bei den ansässigen Gastronomen würde man mit diesem Ansinnen offene Türen einrennen und da ist ja auch noch der Keller im alten Rathaus. Anfangen könnte man damit, dem Platz einen Namen zu geben, eine Identität, wie sie ihm gebührt: Rathausplatz. Das gesamte Areal ist in seiner derzeitigen Nutzung bedauernswert unterentwickelt. Südländer hatten sich so einen Platz als Lebensraum längst erobert.

    Wir besitzen eine Bahnstrecke durch den Wald. Die Anschlussstelle Fliegerhorst gehört auch zu Bruchköbel. Mir kommen da Phantasien ungeahnten Ausmaßes. Spaß-Draisinen ab Hanau Nord, bzw Windecken. Waldrestaurant, Discotheken und andere Vergnügungsstätten könnten dort völlig ungestört mit Natur und Bärensee koexistieren. Ich denke, der Fliegerhorst ist in Rhein-Main eine ganz einmalige Gelegenheit.

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    24th November 2012 at 00:32

  2. Katja Lauterbach says:

    Ich konnte leider aus Krankheitsgründen an der Versammlung am 22.11. nicht teilnehmen, aber der Bericht von Sylvia hilft mir für die zukünftige Arbeit auf jeden Fall und ich kann ihr nur Recht geben in den angesprochenen Punkten.
    Auch die Ideen von Herrn Reisbeck finde ich gut und richtig und gerade was den Fliegerhorst angeht, so kann ich sagen, dass es tatsächlich Überlegungen gibt, diese Bahnstrecke zu reaktivieren. Das ist sicherlich Zukunftsmusik und wird die nächsten zwei Jahre vermutlich nicht zur Realisierung kommen, aber vielleicht schon in drei bis fünf Jahren wird sich viel rund um den Fliegerhorst tun und sich ganz neue Perspektiven ergeben. Der Zweckverband von Erlensee und Bruchköbel, der für die Vermarktung und Betreuung des Fliegerhorstareals gegründet wurde, führt Gespräche in diese Richtung.

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    24th November 2012 at 10:15

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