Digitale Irrelevanz?

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Posted on 19th September 2014 by Sylvia in Digitales Leben

HackerIst die digitale Revolution eine Illusion? Welche Relevanz haben Online-Diskussionen und Abstimmungen? Diese Fragen stelle ich mir seit geraumer Zeit durch meine Beobachtung von unterschiedlichen Online-Diskussionsformen und Bürgerbeteiligungsprojekten. Immer wieder werden z.B. diese Foren durch einige wenige Personen gesprengt, da kann man machen was man will. Persönliche Meinungen werden so lange wiederholt, bis sie keiner mehr hören kann. Sachliche Diskussionen scheinen nicht oder nur sehr selten möglich zu sein. Letztendlich gewinnt der die Diskussion, der am hartnäckigsten auf seiner Meinung beharrt, sich dabei gut ausdrücken kann und vor allem kein Problem damit hat, seine Meinung in der Öffentlichkeit zu bekunden. Denn gerade letztes fällt doch mehr Menschen schwer, als man meinen mag. Denn auch wenn man es nicht möchte, es bleibt nicht aus, dass die teilweise sinnlosen Streitereien der Online-Diskussionen Einfluss nehmen auf das persönliche Offline-Leben. Dabei hat man doch nur seine Meinung geäußert und verteidigt, ein Recht für das lange gekämpft werden musste (was in Teilen unseres Land auch noch gar nicht so lange her ist) und uns heute fast zu selbstverständlich zu sein scheint.

Es erscheint durchaus einen Unterschied zu geben zwischen Online-Diskussionen mit persönlich bekannten und gänzlich fremden Personen. Ist es bei persönlich nicht bekannten Personen so, dass hier durchaus Leute aus der Deckung kommen, die sich von Angesicht zu Angesicht so nie äußern würden oder sich grundsätzlich scheuen eine Meinung zu vertreten, so scheint es bei Diskussionen im bekannten Kreis so zu sein, dass es immer die bekannten Lautsprecher sind, die sich äußern. Diejenigen die es ohnehin gewohnt sind, ihre Meinung in der Öffentlichkeit vertreten zu müssen, ob in der Politik , an herausgehobene Positionen in der Gesellschaft (Vereine etc.) oder in der Presse. Für beides gilt, was das Printmedium (!) FAZ (http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/studie-auch-im-netz-regiert-die-schweigespirale-13118570.html) in einer Studie herausgefunden haben will. Die Schweigespirale regiert auch das Netz.

Zum Beispiel werden beim Thema Vorratsdatenspeicherung die Befürworter so lange digital niedergebrüllt (zum großen Teil anonym) bis auch die letzte Online-Stimme verstummt. Dabei stellt dies keineswegs die Meinung einer Mehrheit der Bevölkerung dar. Und auch bei regionalen Online-Diskussionen unter bekannten Protagonisten verschwinden diejenigen, die sich der geballten Meinungsmache, manchmal nur einer einzigen Person, nicht verbal widersetzten können oder dies einfach irgendwann nicht mehr wollen, weil es zu einer Sisyphos-Arbeit wird. Auch für die Politik im Großen und im Kleinen erscheinen mir die Online-Diskussionen nicht immer wirklich hilfreich zu sein. Wie soll sich ein ohnehin vielen Einflüssen ausgesetzter Politiker noch seine Meinung vertreten können ohne dabei verrückt zu werden? Die Krönung ist es dann noch, wenn man des Diebstahls bezichtigt wird, wenn man Anregungen aus solchen Diskussionen zu tatsächlicher Politik macht und sich dafür dann rechtfertigen muss.

Was bedeutet das für die Möglichkeiten der e-Partizipation? In unserer Nachbargemeinde haben die Bürger über die Gestaltung eines öffentlichen Gebäudes abstimmen dürfen (http://www.eopinio.com/sites/default/files/eopinio_news_neue_mitte_nidderau.pdf). Die Beteiligung war mehr als mäßig. Somit haben diejenigen mit dem größten Aktivierungspotential das Rennen gemacht. So war das nicht gedacht mit der Bürgerbeteiligung, hier wäre ganz sicher ein Quorum sinnvoll.

Vielleicht steckt digitale Revolution einfach noch in den Kinderschuhen? Blogs kommen hierzulande noch nicht gegen Print an, die Meinungsmacher sind on- wie offline die Gleichen, es gibt kein Durchbrechen der Schweigespirale. Vermutlich es aber auch zuviel verlangt von uns digitalen Einwanderern, die ja noch den Hauptteil der Gesellschaft ausmachen, die Zeit der nächsten Generationen, die mit einem allgegenwärtigen Internetzugang aufwachsen, wird vielleicht noch kommen. Vielleicht wird sich aber auch nichts ändern, weil Verhaltensweisen wie die Schweigespirale ganz ursprüngliche menschliche Eigenschaften sind, ganz egal mit welchen Kommunikationsmitteln wir aufwachsen.

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