Bauch vs. Vernunft?

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Posted on 2nd Februar 2014 by Sylvia in Bruchköbel |StaVo

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 aboutpixel.de / Financial report © ZagartSeit der letzten Sitzung des Haupt-und Finanzausschusses sieht so aus, als ob die Stadt Bruchköbel künftig alle Gebäude der Stadt durch eigene Kräfte reinigen lassen muss. Das Budget für Fremdreinigung soll zusammen gestrichen werden,  ein Grundsatzbeschluss gegen Fremdreinigung gefasst werden. Wenn dies tatsächlich so kommt, dann wird die Stadt künftig eine große Anzahl von Putzkräften benötigen, was die Personalkosten weiter nach oben, statt nach unten treiben wird.

Die Diskussionen zu diesem Thema sind sehr emotional geprägt. Eigene Erfahrungen, gefühlte Sauberkeit und ein bisschen Sozialromantik  haben keine Chance gegen eine vernunftgesteuerte Entscheidung. Ich bin klar für eine Vergabe an eine Fachfirma: Es ist flexibler, kostengünstiger und entlastet die Stadt langfristig deutlich. Die städtischen Gebäude haben ganz unterschiedliche Anforderungen an Reinigungspersonal, hier ist Flexibilität gefordert, die bei festangestelltem Personal viel schwieriger umzusetzten ist. Bei einer Reinigungsfirma zahlt man nach erbrachter Leistung, fällt jemand durch Urlaub oder Krankheit aus, muss die Firma für Ersatz sorgen.  Der Preis bleibt für die Stadt der Gleiche.  Es entfallen Kosten für die Personalbewirtschaftung (schreckliches Wort) bei der Stadt und auch die Kosten für die Reinigungsmittel gibt es in dieser Form nicht mehr. Bei langfristigen Verträgen und durch die Größe des Auftragvolumens könnte die Stadt langfristig eine ordentliche Summe einsparen.

Kommen wir zu den vorwiegend emotionalen Gründen, die gegen die Fremdreinigung ins Feld geführt werden: Es wird nicht ordentlich geputzt, die Arbeitskräfte werden ausgebeutet, in den Kitas sind Putzkräfte als Bezugsperson wichtig. Die gefühlte Sauberkeit ist so eine Sache. Es wurde als Beispiel angeführt, dass die Schulen wegen der Fremdreinigung so dreckig sind. Wenn sich das auf Schule im Main-Kinzig-Kreis bezogen hat, dann scheint rot-grün im Kreis wohl mit Fremdkräften zu putzen? Interessant, oder? Die Koalition aus SPD, Grüne und Freien Wählern im Kreistag setzen tatsächlich auf Fremdreinigung mit einem Etat im Haushalt 14/15 in Höhe von rund 3,5 Millionen Euro. Genau die gleiche Konstellation (BBB= Freie Wähler) spricht sich jetzt im Stadtparlament vehement gegen eine solche Lösung aus. Verrückte politische Welt!

Übrigens – als ich zu Schule gegangen bin, gab es sicher eine fest angestellte Putzkraft, meine gefühlten Sauberkeitserinnerungen an die Schultoiletten sind allerdings nicht wirklich positiv geprägt. Für mich ist fehlende Qualität lediglich ein Problem der Dienstaufsicht, egal ob Fremdreinigung oder städtisches Personal. Zur der vermuteten Ausbeutung der Arbeitskräfte von Reinigungsfirmen kann ich nur sagen, dass hier mal wieder niemand über den Tellerrand zu blicken scheint. Wir haben einen Mindestlohn, wir haben Qualitätsstandards mit benötigten Zertifikaten – eine Reinigungsfirma ist doch kein Sklavenbetrieb.  Warum wollen manche immer wieder anderen vorschreiben, wie sie zu leben und zu arbeiten haben? Und was die Bezugspersonen in Kitas angeht, auch eine festangestellte Putzfrau wird hier nicht als Co-Erzieherin tätig. Sie wird putzen, wenn die Kinder nicht da sind, sonst wäre es ja eine Sisyphos-Arbeit.

Sollte die Entscheidung gegen die Fremdreinigung tatsächlich so kommen, ist es aus meiner Sicht nicht der richtige Weg im Hinblick auf die finanzielle Lage unserer Stadt. Die Beweggründe von SPD, vor allem aber der Grünen und des BBB werden mir weiter rätselhaft bleiben, besonders wenn ich an die gegenteilige Entscheidung von teilweise den gleichen handelnden Personen im Kreis denke. Dass die Verwaltung und der Bürgermeister allerdings für ihre eigentlich (?) präferierte Lösung Fremdreinigung nicht wirklich gekämpft haben, wird mir allerdings auch ein Rätsel bleiben.

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2 Comments
  1. Uwe Ringel says:

    Liebe Sylvia
    Im obigen Beitrag hast Du sehr schön die politische Position der FDP in Sachen privatwirtschaftlichen Handelns öffentlicher Auftraggeber herausgearbeitet. Was allerdings misslungen, unfair, diffamierend oder gar sozial herabwürdigend ist, (ich weiß gar nicht, welchen Begriff ich da passenderweise nehmen soll) ist die gewählte Gegenposition aller anderen im Parlament vertretenen Parteien. Der von der Verwaltung und der FDP aufgegriffene Nebensatz, Fremdfimen reinigen schlechter als städtische, war sicher nicht Hauptanliegen der antragstellenden GRÜNEN und der zustimmenden Parteien. Vielmehr sind wir uns mit weiten Teilen der CDU, insgesamt jedenfalls mit SPD und BBB einig, dass die Stadt hier eine soziale Verpflichtung und Verantwortung hat. Es kann nicht sein, dass die Stadt prekäre Arbeitsverhältnisse fördert in dem sie Bereiche privatisiert, die in der freien Wirtschaft zu den in der Regel nachweislich elendsten Arbeitsplätzen zählen. Solange hier keine soziale Komponente (Mindestlohn, Einhaltung tariflicher Bestimmung, Verbot der Vergabe an Subs) bei der Auftragsvergabe verbindlich eingefügt werden können ist es in der sozialen Verantwortung des Gemeinwesens hier nicht durch weitere Privatisierungen diese Arbeitsplätze der Willkür oft verantwortungsloser Unternehmer anheim zu stellen. Erst wenn die Arbeitskräfte auf diesem Markt knapp werden, (und das ist nicht in Sicht) wird sich hier etwas ändern. Bis dahin kann die Stadt es sich aus sozialer Verantwortung heraus nicht erlauben diese Arbeitsplätze der Privatwirtschaft anheim zu stellen.
    Über die Arbeitsleistung wacht der Arbeitgeber, ob privat oder städtisch vergeben. Das war von uns nie in Zweifel gezogen worden. Mangelnde Kontrolle (wer solls machen) und die damit verbundenen beklagenswerten mangelhaften Ergebnisse lassen sich aber leichter als Argumente darstellen. Sie aber als Hauptargument den anderen zu unterstellen lässt keine sachliche Debatte zu.
    Uwe Ringel

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    2nd Februar 2014 at 10:27

  2. Sylvia says:

    Lieber Herr Ringel,
    erstmal ein Kompliment zu Ihrem neuen digitalen Engagement – das finde ich richtig klasse, vor allem wirkt es sehr authentisch. Nun zur Sache: Sozialromatik finde ich nicht unbedingt herabwürdigend oder was auch immer, besonders da ich auch ertragen muss, dass meiner Partei gerne die “soziale Kälte” vorgeworfen wird. Aber dies ist wie so oft eine Frage der Sichtweise und der persönlichen Betroffenheit.

    Die von Ihnen aufgeführten Argumente (Mindestlohn etc.) kamen in den Diskussionen im Parlament leider so gar nicht zum Einsatz. Immer wieder ging es darum, dass es dann “dreckig” ist. Über Fakten und Zahlen wollte niemand diskutieren. Das Sie hier den Unternehmern pauschal verantwortungslose Willkür zu unterstellen, halte ich in diesem Zusammenhang auch für sehr unsachlich. Auch diese Untermehmer sind an die geltenden Gesetze gebunden, sie schaffen Arbeitsplätze und zahlen Steuern. Gerade die mittelständischen Unternehmer sind das Rückgrat unserer Gesellschaft, egal in welcher Branche.

    Sie als Mitglied des Kreistages haben doch gemeinsam mit SPD und Freien Wählen beschlossen, dass im MKK zum größten Teil mit Fremdkräften geputzt wird. Initativen dies zu ändern, habe ich bisher nicht gesehen. Beschränkt sich das soziale Gewissen nur auf die Stadt Bruchköbel? Das ist es eigentlich, was ich an der ganzen Diskussion so befremdlich finde.

    Viele Grüße und bleiben Sie digital am Ball!

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    2nd Februar 2014 at 11:18

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