Zuse Kongress in Wiesbaden 28. Mai 2010
Veröffentlicht von Sylvia Braun in : Veranstaltungen , einen kommentar schreiben
Am letzten Mittwoch fand in Wiesbaden ein Kongress anlässlich des 100. Geburtstages von Konrad Zuse statt. Die Veranstaltung teilte sich nach dem offiziellen Teil in fünf thematisch unterschiedlich besetzte Foren mit verschiedenen Referenten. Die kostenfreie Veranstaltung des Landes Hessen war vorbildlich organsiert (Sparen war hier nicht angesagt….), hier klappte wirklich alles. Die Liste der Vortragenden war durchweg hochkarätig (natürlich hauptsächlich aus Regierungskreisen) besetzt und überraschte streckenweise durch unerwartet amüsante Beiträge, wie z.B. der Vortrag des Datenschutzbeauftragten Prof. Dr. Michael Ronellenfitsch im Forum IIII (großte Teile der Veranstaltung zum nachzuschauen hier).
Aufällig für mich war jedoch die Zusammensetzung des Publikums, besonders treffend zusammen gefasst hat die Stimmung ein Tweet, der mir gut gefallen hat: “Das Publikum bei #zuse ist sowas wie re:publica für Senioren mit eingestreuten Schulklassen #rp10“. Von einem Zusammentreffen “Netzbürger triff Netzwerker” wie von hr-online beschrieben, war für mich nichts zu spüren. Viel mehr war es ein Treffen der Netzwerker aus der Netzwelt und von anderswo mit -teilweise erstauntem- Publikum.
Wie im o.a. Tweet bemerkt, war das Publikum – sagen wir mal – untypisch für eine solche Art von Veranstaltung. Insbesondere wenn man daran denkt, wie schön die Veranstaltung über die begleitende Internetseite und ein Blog vorbereitet und beworben wurde. Vielleicht war auch das Problem, dass die Veranstaltung zu regierungslastig war und an einem nomalen Wochentag stattfand. Ich bin mir sicher, dass an einem Wochenende auch netztypisches Publikum da gewesen wäre (ok, die re:publica ist auch Wochentags…). Was dann sicher auch zu mehr Diskussionen geführt hätte. Wobei auch hier zeitlicher Raum für Diskussionen nicht wirklich eingeplant war. Aber vermutlich gilt auch hier, die zahlreichen kleinen Diskussionen am Rande machen die Qualität einer Veranstaltung wirklich aus.
Interessant waren sicher auch die unterschiedlichen Stände auf dem sogenannten IT-Markplatz, eine bunte Mischung aus Verwaltung, Unternehmen und Politik. Hier habe ich einige spannende Gespräche geführt und teilweise wirklich interessante Informationen und Erkenntnisse mitnehmen können.
Positiver Nebeneffekt dieser Veranstaltung war sicher auch, dass sich Minister und weitere Regierungsbeamte mal mit Themen auseinander setzten mussten, die sonst vielleicht nicht unbedingt ihr Schwerpunkt sind. Auch deshalb hoffe ich darauf, dass auch im nächsten Jahr ein Anlass für ein solches Format (mit kleinen Verbesserungen) gefunden werden kann.
Wer hat Angst vor
Google Street View?
21. April 2010
Veröffentlicht von Sylvia Braun in : Allgemein , einen kommentar schreiben
Ist die Panikmache vor Google Street View mal wieder die typische deutsche Angst? Oder sind die Ängste berechtigt, die auch von lokalen Parteien (Beispiel: PM einer lokalen Wählervereinigung) zusätzlich geschürt werden? Ich habe dazu einen sehr interessanten, sachlichen Artikel bei Carta gefunden, in dem die rechtlichen Probleme und möglichen Gefahren ausführlich beleuchtet werden. Danach kann man sicher besser entscheiden, was man tun möchte.
Ich persönlich bin kein Gegner von Google Street View (GSV), habe also keinen Widerspruch eingelegt. Ich finde die Idee spannend, virtuell durch andere Städte gehen zu können und habe dies an einigen meiner vergangenen Urlaubsziele schon gemacht und mich wieder ein Stück im Urlaub gefühlt. Die Front unserer Hauses also im Internet? Warum nicht? Es ist ohnehin nur eine Momentaufnahme, sieht man sich z.B. die Satellitenbilder bei Google Maps an, so hat sich auf unserem Grundstück doch so einiges verändert. Und eigentlich sind die Satelliten Bilder wesentlich informativer, als ein Blick von der Staße aus, hier kann ich Grundstücksgrenzen, Bepflanzung, Pools etc. erkennen, im Vorbeifahren ist das wohl kaum möglich. Aber über Google Maps hat sich bisher niemand aufgeregt.
Die Angst vor der Auspähung durch Kriminelle halte ich auch für übertrieben. Natürlich kann jemand so unaufällig ein Bild von den Örtlichkeiten machen, aber erkennt man wirklich z.B. mögliche Schwachpunkte am Haus? Wohl kaum, die befinden sich nämlich meist eher an der Rückseite des Hauses – eben an uneinsehbaren Plätzen, denn beim Einbrechen will man ja nicht gestört werden. Ein persönliches Ausspähen wird auch durch Google Street View nicht wegfallen, dunkle Ecken mit Einstiegsmöglichkeiten und die Gewohnheiten der Bewohner erfährt man nur durch Einsatz vor Ort.
Und der Fall eines hosenlosen Finnen – tja, dumm gelaufen. Eigentlich unfassbar, dass man mit einer Kamera so in den Garten schauen konnte. Aber widersprechen kann man ja immer noch, wenn das Bild nicht gefällt. Regt man sich auf, führt das nur zum sogenannten Streisand-Effekt. Das Bild des Finnen ist so ganz einfach weiterhin zu finden, obwohl es GSV schon längst aus seinem System genommen hat.
Jeff Jarvis hatte sich in seinem Vortrag auf der re:publica in Berlin etwas amüsiert über die Deutschen geäußert. Man geht in die Sauna und zeigt sich jedem nackig, das eigene Haus im Netz möchte man nicht sehen. Ich finde den Sauna-Vergleich nicht wirklich passend, aber in der Tat exhibitionieren sich doch viele Menschen auf den verschiendenen Plattformen der sozialen Netzwerke. Muss man hier Mitglied in Gruppen über sexuelle Vorlieben sein und das somit allen Nutzern bekannt geben? In einem Small-Talk hätte man das sicher nicht mal eben so am Rande erwähnt, oder? Das ist für mich schon ein Widerspruch.
Irgendwie kommt mir diese ganze Google-Debatte in der Tat typisch deutsch vor. Woher kommt nur dieses Misstrauen und der Pessimismus? Warum sehen wir immer erst die Gefahren und dann die Chancen? Wenn ich z.B. an die Proteste gegen die Volkszählung in den 80ern denke – heute regt sich darüber keiner mehr auf. Vielleicht wird das mit Google Steet View in ein paar Jahren genauso sein, wir werden sehen.

